Hotelpension Artal, Berlin, Gegenwart
Nathan guckte schweigend auf den Bildschirm. Der Hamburger wanderte lautlos über den Bildschirm. Das Kästchen lag geschlossen daneben. Keine Brummen, kein Vibrieren. Auch Scotty sagte nichts.
„Wir sollten etwas essen“, stellte er dann nach einer Weile der Betrachtung seines Bildschirmschoners fest.
„Ich habe keinen Hunger, außerdem sind wir keinen Schritt weiter gekommen“
„Aber, wenn wir nichts essen, kommen wir dann schneller vorwärts?“
„Vermutlich nicht, ich habe trotzdem keinen Hunger“
Scotty blickte jetzt seinen Bildschirm traurig und sehnsüchtig an. Nathan kannte diesen Blick.
„Also gut, Du hast gewonnen. Was wollen wir essen?“
Scotty deutete nur stumm auf den Hamburger.
„Gegenüber ist ein Laden“
„Dann lass´ uns gehen“, Nathan drehte sich bei dem Gedanken an einen Hamburger schon der Magen um. Er hasste diese Dinger. Die Eingangshalle war leer nur der Portier saß hinter der Rezeption und schien in seine Arbeit vertieft. Scotty und Nathan verließen das Hotel. Es war ein schöner Frühlingstag. Die Sonne schien und das erste Grün zeigte sich an den Bäumen. Schräg gegenüber war der von Scotty gesuchte Laden. Freudig beschleunigte er seine Schritte.
„Wenn es um diese Dinger geht, ist Dir kein Weg zu weit, oder?“, fragte ihn Nathan.
„Nein. Kein Weg zu weit. Es ist wie ein Sucht“
„Was möchtest Du?“, fragte Scotty als sie an der Reihe waren.
„Seit wann kannst Du denn Deutsch?“
„Wie heißt den Whopper auf Deutsch?“
Nathan winkte kopfschüttelnd und lachend ab.
„Ich denke, ich nehme einen Salat, da können sie am wenigsten falsch machen“
Scotty bestellte, während Nathan sich umdrehte, um nach den Freunden von Scotty zu suchen, die alle offenbar mit in seine Bestellung eingegangen waren.
„Erwartest Du noch jemanden?“
„Nein, um Gotteswillen. Zum Abgeben reicht es nicht“
Scotty schleppte das volle Tablett in den hinteren Bereich des Schnellrestaurants und machte es sich zwischen den Pappschachteln, Plastikbechern und anderen Verpackungsmaterialien gemütlich. Noch bevor er seinen Hamburger richtig ausgepackt hatte, biss er herzhaft hinein.
„Warum machst Du Dir die Mühe mit dem Auspacken? Der Inhalt dürfte sich kaum von der Verpackung unterscheiden, weder geschmacklich noch von der Beschaffenheit der Zutaten“, stellte Nathan nüchtern fest.
„Hast Du eine Ahnung!“, antwortet Scotty mit vollem Mund. Ein kleiner roter Faden an seinem Mundwinkel zeigte, dass er auf eine Ketchup-Ader gestoßen war. Genau aus diesem Grund hasste Nathan diese Dinger. Man biss hinein und hatte sofort an einer anderen Stelle ein Problem. Es war einfach eine riesige Schweinerei und der Verzehr war alles andere als einfach. Es sei denn man schluckte sie im Stück. Das wäre auch geschmacklich das kleinste Übel. Schnell vorbei. Fast Food eben.
„Isst Du Deinen Salat noch?“ Scotty´s Augen weiteten sich erwartungsfroh.
„Ich habe noch nicht einmal angefangen!“, entrüstete sich Nathan.
„Wie lange hast Du denn nichts mehr gegessen?“
„Ach, das ist lange her. Mindestens zwei Stunden“
„Ja, das klingt plausibel. Das ist ja eine Ewigkeit“, war Nathan belustigt und schob seinen Salat zu Scotty rüber.
„Ich habe wirklich keinen Hunger“
„Der Salat soll hier ganz ausgezeichnet und frisch sein. Er kommt aus Alaska!“
Nathan stutzte. Alaska.
„Sag, mal, wir haben einfach vorausgesetzt, dass das Kästchen und die Vorfälle rund um meinen Vater zusammen gehören. Was ist, wenn nicht?“
Scotty kaute nachdenklich auf seinem Salatblatt herum.
„Ich dache, der Journalist im Krankenhausgarten hat die Verbindung hergestellt“
“Na ja, er erwähnte die Anlage HAARP in Alaska. Aber hat die Anlage mit den Vorkommnissen in Berlin zu tun?“
„Denke doch bitte an den Flughafen Tempelhof. Die Signale die wir dort empfangen haben, lassen doch gar keine andere Verbindung zu“
„Das würde ich so nicht sagen, was ist, wenn es mehrere solcher Anlagen gibt. Die Anlage in Alaska ist ja auch kein Geheimnis“
„Die in Tempelhof schon“
„Nur weil es uns nicht bekannt war, heiß es ja nicht, dass sie keiner kennt…“
„Ich habe in Deiner Abwesenheit ein bisschen im Internet recherchiert. Wir sind nicht die Einzigen, die solche Signale aufgezeichnet haben. Es gibt eine ganze ´Fangemeinde´, die sich damit beschäftigt. Unter „Codename Teddybär“ listen sie ihre Ergebnisse auf. Gar nicht mal schlecht – rein technisch gesehen“
„Der Wissenschaftler, den mein Vater in Florida getroffen hat, hat aber in seiner Hinterlassenschaft von einer anderen Firma gesprochen, die sich mit dieser Art der Strahlung beschäftigt. Schon vergessen?“
Scotty schüttelte stumm den Kopf und kaute weiter.
„Was mag dieses Kästchen können, und warum hat der Journalist es ausgerechnet mir gegeben und – er kannte meinen und Laura´s Namen. Ich habe ihn nie zuvor gesehen. Jetzt würde ich ihn schon gerne noch einmal sprechen“
„Ja, ich hätte auch ein paar Fragen an Ihn. Ich zerbreche mir die ganze Zeit schon den Kopf über das Kästchen“
Die Beiden waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie gar nicht bemerkten, dass plötzlich ein Mann an ihrem Tisch stand.
„Doktor Sanders?“
Nathan blickte erstaunt hoch. Er traute seinen Augen nicht. Was er sah war, war eigentlich unmöglich und trotzdem stand er vor ihm.